Zaccaria Artwork

Arcade Cabinet Phoenix von Zaccaria – Ein Restaurierungsprojekt

In meiner Kindheit war ich in den Sommerferien mit meinen Eltern immer entweder in Frankreich oder Italien. Besonders in Italien gab es am Strand oft Spielhallen mit zahlreichen Arcade Cabinets und ich habe dort stundenlang Klassiker wie Track & Field, Qbert, Green Beret und ähnliches gezockt. Bei uns zuhause gab es damals praktisch keine Arcades. Vielleicht einen einsamen Automaten in einer Kneipe, wo wir aber als Kinder auch nicht unbedingt alleine hingegangen sind.

Track & Field Cabinet, 1983 by Konami

Dann kam 1982 in Deutschland der C64 auf den Markt und die Arcades waren erst einmal vergessen. Jedenfalls bei mir war das so.

Vor mehr als zehn Jahren bin ich zufällig wieder auf das Thema Arcade gestoßen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie. Und seitdem wollte ich immer ein eigenes Cabinet zuhause haben. Ende August 2018 bin ich per Zufall auf ein Angebot bei ebay aufmerksam geworden. Hier stand ein defektes original Zaccaria Arcade Cabinet mit einem Crazy Kong Jamma Board zum Verkauf und der Preis war sensationell. Sogar die Lieferung war in dem Fall kostenlos. Da musste ich einfach zuschlagen!

Als ich es zum ersten mal auspackte, habe ich schnell festgestellt, dass einige Originalteile fehlten, z.B. das Marquee, welches bei den Zaccaria Automaten gebogen war, sowie das originale Controlpanel.

Zaccaria Phoenix Arcade Cab

Offenbar handelte es sich ursprünglich um einen Zaccaria Phoenix Automaten. Nach dem Austausch aller Sicherungen zeigte der originale 19″ Hantarex MTC900 Monitor zwar noch einen Neck glow, aber es kam kein Bild. Ich wusste zuerst nicht, ob eventuell nur das Gameboard kaputt war, oder beides. Da ich sowieso ein Multi-Arcade Cabinet auf Basis eines Raspberry Pies daraus machen wollte, habe ich alles bis auf die beiden Netzteile ausgebaut. Das Board wäre sicher noch zu reparieren. Ich denke, ich werde es auf ebay wieder verkaufen. Der Monitor war definitiv auch defekt. Es wird sich sicherlich auch hierfür ein Liebhaber finden.

Das Phoenix Cabinet läuft im TATE Modus, d.h. vertikal. Ich habe das auch nicht verändert, da ich sowieso Shmups wie die Galaga Serie, 19xx, Battle Bakraid oder Dodonpachi liebe. Es gibt natürlich auch einige horizontale Games, die ich immer wieder einmal gerne zocke, wie die Metal Slug Reihe, Bubble Bubble, Green Beret oder Track & Field, um nur einige zu nennen.

Scanlines

Vielleicht baue ich mir da mal ein eigenes horizontales Cab. Einen passenden Monitor habe ich per Zufall dafür schon zuhause: einen Sony PVM 2054QM Broadcast Monitor: mit das Beste, was man für ein perfektes Retro-Erlebnis bekommen kann. Der liefert bei 15kHz Scanlines bei Arcade Games, Nintendo, Sega & Co – zum niederknien! Das rechts ist ein aktueller Screenshot.

Restaurierung

Zuerst habe ich das Cab komplett zerlegt und gereinigt. Da alte Arcade Monitore eine Spannung von bis zu 30.000 Volt auf der Röhre haben, muss man sehr genau wissen, welche Teile man berühren darf und welche nicht!

Um das Controlboard und das Neckboard ausbauen und durchmessen zu können, muss man die Röhre erst entladen. Das ist sehr gefährlich! Ich gebe hier auch keine Anleitung, wie das geht. Also lieber einen Fernsehtechniker machen lassen, wenn man denn einen kennt.

Wer sich da nicht 100% sicher ist: FINGER WEG!!!

Arcade Cab empty

Nach dem Durchmessen war klar, hier haben mindestens einige Kondensatoren das zeitliche gesegnet, vielleicht auch der Flyback. Mit einem Cab Kit wäre er sicherlich wieder zum Leben zu erwecken, allerdings bin ich auch kein ausgesprochener Profi im Löten. Solche Cab Kits findet man auf ebay, bei Arcade Parts & Repair oder beispielsweise im Arcadeshop.

Hantarex MTC900E
Hantarex Polo 20

Über ebay Kleinanzeigen bin ich dann günstig an ein Nachfolgemodell, den Hantarex Polo 20″ gekommen. Der war offenbar sehr wenig benutzt worden, da er die letzten Jahre in einem Pokerautomaten betrieben wurde. Mit einer kleinen Anpassung am Rahmen passte auch der etwas größere Monitor ins Cabinet. Für den Anschluss an den Raspberry Pi waren nun noch ein paar zusätzliche Arbeiten notwendig. Der Raspi hat einen HDMI- und einen minderwertigen Composit-Ausgang.

Raspberry Pi mit 240P an 15 kHz Monitor

Um eine gute Qualität auf alten 15 kHz Arcade Monitoren zu bekommen gibt es verschiedene Wege:

HDMI-auf-VGA Converter: man hat dann aber erst 31 kHz Signale mit leichten Qualitätseinbußen und bei manchen billigen China-Convertern ein leiches LAG in der späteren Emulation. Zusätzlich braucht man hier noch einen Downscaler, wie z.B. den GBS 8100. Der hat dann auch einen RGBS Anschluss (R-G-B-GND-SYNC) mit Combined Sync für alte Arcade Monitore. Diese Version habe ich im Moment auch in meinem Arcade.

GPIO Platine GERT VGA 666: die Platine wird direkt auf die GPIO Pins des Raspi gesteckt. So kann der Raspi nativ VGA mit 240P und 15 kHz ausgeben – keine Verluste durch Konvertierung. Allerdings braucht man noch einen Sync-Combiner, da im VGA-Signal horizontaler und vertikaler Sync getrennt sind. Hier leistet bei mir ein Extron 192 RGB super Dienste.

Diese Version hängt aktuell an meinem Sony PVM 2054QM. Ich weiß noch nicht, ob ich dieses Monitor Beast in mein Arcade eingebaut bekomme, da er seine Stabilität über das Metallgehäuse bekommt und keinen offenen Rahmen wie die Arcade Monitore hat. Ich müsste hier erst einen eigenen passenden Metall-Rahmen bauen. Mal sehen… Den Extron bekommt man auf ebay US schon für $30. Da kommt nur noch die Einfuhrsteuer drauf.

Man kann hier auch anstatt des Extron die Jamma-Platine J-PAC nutzen. Die enthält nicht nur einen Sync-Combiner, sondern zeigt auch die Validität des anliegenden Signals mit einer LED. So kann der Monitor keinen Schaden durch ungültige Signaleinstellungen nehmen.

GPIO Platine PI2SCART: mit der Platine kann der Raspi direkt einen 15 kHz Monitor ansprechen. Das wäre auch noch ein Versuch, wobei ich dann erst ein Kabel entweder von Scart auf RGBS oder auf BNC löten müsste.

Bevor ich den Raspberry Pi und die restliche Technik eingebaut habe, waren erst die Ausbesserungen am Arcade Gehäuse dran.

Also erst einmal alles bis auf die Seitenteile mit der großartigen Artwork abgeschliffen, gekittet und nochmal abgeschliffen. Anschließend habe ich mehrmals die Rückteile schwarz und die Front in dem originalen lila Farbton gestrichen. Der Farbton kam bei mir dann etwas heller raus, was aber sehr gut zum Artwork auf den Seiten passt.

Controlboard

Nun war das Design des Controlboards dran. Da ich verschiedene Emulatoren mit jeweils 2 Playern spielen können will, brauche ich eine ganze Menge Buttons. Ich habe mir ein Kit mit sehr guten Sanwa JLF-TP-8YT Joysticks und 17 Buttons bei SmallCab besorgt.

Hier hat man zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten: Farbe der Joystick-Griffe und Buttons, Qualität der Micro-Switches für die Buttons (ich habe hier die Cherry D44X genommen, weil ich auf das charakteristische Klicken stehe und außerdem halten die länger) und die Anschlussmöglichkeit (GPIO Verkabelung oder mit USB-Controller von Xin-Mo). Man kann noch eine Anschlussanleitung für €3,- mitbestellen, allerdings findet man genug Anleitungen im Netz.

MAME CPO

Als Bohr-Vorlage für das Controlboard habe ich ein modifiziertes Centipede CPO aus dem Internet genommen und an meine Bedürfnisse angepasst. Für die Löcher von Buttons und Joysticks braucht man einen 28mm Forsterbohrer. Vor dem Bohren der Löcher habe ich noch die hintere Kante entsprechend des Winkels zum Bezel abgeschrägt und die vordere Kante halbrund gefräst. Nach dem mehrmaligen Abschleifen und streichen ging es an den Einbau der Joysticks und Buttons und deren Verkabelung.

Hierbei unbedingt äußerste Sorgfalt walten lassen, sonst macht man das ganze mehrmals!

Damit das ganze etwas übersichtlich wird, sollte man die Kabel sinnvoll mit Kabelbindern fixieren. Nun nur noch die Klammern auf die Unterseite schrauben, um das CPO mit den Spannverschlüssen am Cabinet arretieren zu können.

Einbau der Technik

Jetzt habe ich mit Heißkleber ein altes Raspi-Gehäuse ins Cab geklebt und auf das Gehäuse einen großen Lüfter. Unter dem Raspi habe ich den GBS-8100 angebracht und die beiden über einen HDMI-VGA-Converter verbunden. Vom Converter geht das Audiokabel über einen Entstörfilter in einen kleinen, von der Münzklappe aus erreichbaren Verstärker, um leicht die Lautstärke regulieren zu können.

Der Verstärker treibt die zwei Lautsprecher hinter dem Marquee an. Ursprünglich war nur ein Lautsprecher im Cabinet, da das Originalspiel nur Mono-Sound hatte. Ich habe einen zweiten passenden Lautsprecher ergänzt, da ich auch einige Stereotitel spielen will.

Münzprüfer

Arcade Münzprüfer

Zum Glück war der Münzprüfer schon an EURO angepasst worden, allerdings konnte ich die Prüfplatine am Raspi nicht verwenden. Also habe ich alle Kabel gekappt und nur die Kabel der zwei Micro-Switches an die Kontakte der zwei Coin-Buttons an meinen Controller angeschlossen. Ich dachte zumindest, es sollte so einfach sein. Ging aber nicht! Die Switches der Münzprüfer sind schon etwas älter und hatten die Kontakte für „Normally Open“ und „Normally closed“ im Gegensatz zu meinen neuen Microswitches vertauscht. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Jedes Spiel €0,50! Wäre klasse für die Urlaubskasse, aber dafür müsste ich erst die Coin-Buttons wieder abklemmen. Sonst wird das wohl nichts!

Restauration Monitor Surround

Da der Monitor in diesem Cabinet nicht parallel zum Bezel direkt hinter der Scheibe, sondern schräg dahinter platziert ist, gibt es ein Monitor Surround aus Karton mit einem Sternenmotiv darauf. Meines war ziemlich angegriffen und der Monitorausschnitt einmal ziemlich unschön von vertikal auf horizontal geändert worden. Ich habe daher das ganze Motiv in vielen Einzelschritten eingescannt, in Photoshop zusammengesetzt und digital restauriert. Das waren eine Menge Löcher und Risse. Das neue Surround habe ich mir bei PosterXXL günstig auf Karton drucken lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ergebnis

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Ich bin Webdesigner und -developer, Hobbyfotograf und Kunsthistoriker mit einer Leidenschaft für Architektur- und Portraitfotografie. Die Fotoleidenschaft begann im Alter von 10 Jahren mit einer Canon FTP, die mich über 20 Jahre und einige 10.000 Fotos ohne Probleme begleitet hat. Seit dem Umstieg auf die Digitalfotografie bin ich nun ins Nikonlager gewechselt und habe diese Entscheidung nie bereut.

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